Eine aktuelle Studie der Medizinischen Universität Graz hat ergeben: Vegetarier haben häufiger Krebs und mehr Herzinfarkte, leiden wesentlich öfter an Allergien und zeigen mehr psychische Störungen als Fleischesser.

In der Studie wurde darüber hinaus festgestellt, dass die Lebensqualität von Vegetariern niedriger ist und sie mehr Leistungen des Gesundheitssystems in Anspruch nehmen. Die Studie der Grazer Wissenschaftler basiert auf der Auswertung von Daten des Austrian Health Interview Survey (AT-HIS), einer repräsentativen Stichprobe der erwachsenen österreichischen Bevölkerung. Insgesamt 1.320 Personen in vier Gruppen, die in Teilnehmerzahl, Geschlecht, Alter und soziökonomischen Status vergleichbar waren, wurden untersucht. Auch in puncto Rauchverhalten und körperlicher Aktivität unterschieden sich die Teilnehmer nicht, der Body-Mass-Index (BMI) lag in allen Gruppen im Normalbereich (22,9 bis 24,9).

Vegetarier: mehr chronische Krankheiten

In jeder Gruppe wurden 330 vergleichbare Personen untersucht, die sich nur in ihrem Essverhalten unterschieden: Vegetarier, Fleischesser, deren Speiseplan auch viel Obst und Gemüse vorsah, Wenig-Fleischesser und Viel-Fleischesser. Mehr als Dreiviertel der Teilnehmer waren Frauen (76,4 %), der Anzahl der Vegetarier in den Gruppen entsprach einer repräsentativen AT-HIS-Stichprobe (343; 2,2 % von 15.747).

Die Ergebnisse der Studie wiedersprechen dem gängigen Klischee, dass Vegetarier gesünder leben würden als Fleischesser. Die im Rahmen der Studie untersuchten Vegetarier hatten fast doppelt so viele Allergien wie Viel-Fleischesser (30,6 % zu 16,7 %) und zeigten 166 % mehr Krebserkrankungen (4,8 % zu 1,6 %) sowie 150 % mehr Herzinfarkte (1,5 % zu 0,6 %). Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass Vegetarier von 14 von 18 chronischen Krankheiten, wie Asthma, Diabetes oder Migräne, häufiger (78 %) betroffen waren als Viel-Fleischesser.

Fleischesser: mehr Lebensqualität

Die Wissenschaftler der Universität Graz kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Viel-Fleischesser eine höhere Lebensqualität als Vegetarier haben. Untersucht wurden hier die Kategorien: Körperliche und psychologische Gesundheit, soziale Beziehungen und umweltbedingte Lebensqualität. Bei der Krankheitsanalyse zeigte sich auch, dass die untersuchen Vegetarier mehr als doppelt so oft unter Angststörungen oder Depressionen litten wie Viel-Fleischesser (9,4 % zu 4,5 %).

Wie immer bei der Ernährungsforschung stellt sich auch bei dieser Studie die Frage nach Ursache und Wirkung. „Ob die schlechtere Gesundheit der Vegetarier durch deren Ernährung verursacht wird oder ob sie wegen ihres schlechten Gesundheitszustands zu Vegetariern werden, das kann nicht beantwortet werden“, so die Forscher.

 

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